Beim ersten Sardinien-Urlaub passiert oft derselbe Fehler: Man möchte die ganze Insel in wenigen Tagen sehen. Entfernungen, Straßen und die große Zahl interessanter Orte sprechen jedoch für eine bewusstere Auswahl. Dieser Guide hilft dir, je nach verfügbarer Zeit, Reisestil und Jahreszeit die passende Region zu wählen und eine ausgewogene erste Reise zu planen.
Zum ersten Mal auf Sardinien: versuche nicht, alles zu sehen
Sardinien ist groß und von Küste zu Küste sehr unterschiedlich. Wer die Insel in einer Woche ständig durchquert, verbringt viele Stunden im Auto und hat vor Ort zu wenig Zeit. Für die erste Reise ist es besser, eine Großregion zu wählen und wenige starke Stationen miteinander zu verbinden – oder zwei benachbarte Gebiete, wenn mindestens zehn Tage zur Verfügung stehen.
Frage dich vor der Buchung, was du wirklich suchst: Strände und Sommerleben, Dörfer und Kultur, Wandern, Archäologie, einen langsamen Urlaub oder einen Roadtrip. Die Antwort entscheidet darüber, welche Region am besten passt.
Nordosten: Meer, Gallura und Inseln
Der Nordosten ist die naheliegende Wahl für alle, die Sardinien mit türkisfarbenen Buchten, Granit und Badeorten verbinden. Olbia ist einer der wichtigsten Ankunftspunkte und bietet gute Verbindungen nach San Teodoro im Süden sowie nach Arzachena, Palau und in die Gallura im Norden. Cala Brandinchi, Capo Coda Cavallo und die Strände von San Teodoro gehören zu den bekanntesten Bildern der Region.
Weiter in Richtung Gallura liegen Arzachena, archäologische Stätten wie La Prisgiona und die Küste der Costa Smeralda. Von Palau erreichst du La Maddalena und kannst bei guter Planung einen Tag dem Archipel widmen. Die Region eignet sich für einen ersten Urlaub mit Schwerpunkt Meer, ergänzt durch Dörfer, Archäologie und Landschaften im Landesinneren.
Nordwesten: Alghero, Dörfer und sehr unterschiedliche Landschaften
Der Nordwesten verbindet Städte, Klippen, Strände und Dörfer besonders abwechslungsreich. Alghero eignet sich als Hauptstandort: Altstadt, Bastionen, Capo Caccia, Porto Conte und nahe Strände füllen bereits mehrere Tage. Von hier gehört die Straße Richtung Bosa zu den landschaftlich schönsten Abstechern.
Weiter nördlich liegen Stintino und die Asinara; im Landesinneren ergänzt Sassari die Reise um Stadt und Kultur, während Castelsardo mit seinem befestigten Ort über dem Meer einen weiteren Kontrast bietet. Für die erste Sardinien-Reise ist dies eine der besten Regionen, wenn du Strände und Besichtigungen verbinden möchtest.
Südsardinien: Cagliari als Basis und viele Möglichkeiten
Cagliari ist wahrscheinlich der flexibelste Ausgangspunkt für alle, die Sardinien kennenlernen und zugleich die Infrastruktur einer Stadt nutzen möchten. Castello, Marina, Poetto und Sella del Diavolo rechtfertigen mindestens zwei Tage in der Hauptstadt. Danach kannst du entweder Richtung Villasimius und Porto Giunco oder nach Pula, Chia und Tuerredda weiterfahren.
Mit einer Woche lässt sich die Reise bis in den Sulcis-Iglesiente verlängern. Iglesias, Masua, Porto Flavia und Pan di Zucchero zeigen eine völlig andere Seite Sardiniens als die berühmtesten Strände. Unsere Wochenroute durch Südsardinien bietet dafür eine gute Grundlage, die du an dein eigenes Tempo anpassen kannst.
Ostküste und Ogliastra: Natur, Wandern und Buchten
Die mittlere Ostküste eignet sich für alle, die Sardinien aktiver erleben möchten. Tortolì und Arbatax verbinden Strände mit guter Infrastruktur, während Santa Maria Navarrese und Baunei Zugang zur Costa di Baunei bieten. Cala Goloritzè, Cala Mariolu, Pedra Longa und der Supramonte erfordern mehr Planung als ein klassischer Strandtag, belohnen aber mit einigen der spektakulärsten Landschaften der Insel.
Weiter nördlich erschließt Cala Gonone einen weiteren Abschnitt der Kalksteinküste mit Höhlen und Wanderwegen. Die Gegend passt ideal zu Reisenden, die Meer, Boot und Wandern abwechseln möchten, weniger zu denen, die vor allem Nachtleben suchen.
Westküste: für eine langsamere, landschaftlich geprägte Reise
Die Westküste ist eine gute Wahl, wenn du ein weniger einheitliches Sardinien kennenlernen möchtest. Von Alghero führt die Route über Bosa, den Sinis und Oristano weiter zur Costa Verde und ins Iglesiente. Is Arutas, Tharros, Piscinas, Montevecchio und Porto Flavia verbinden Strände, Archäologie und Bergbaulandschaften.
Für diese Route solltest du mehr Zeit und ein Auto einplanen. Die Straßen erlauben nicht überall schnelle Transfers und manche Stationen verdienen einen ganzen Tag. Gerade deshalb eignet sich die Westküste für alle, die nicht nur den berühmtesten Orten hinterherfahren, sondern einen abwechslungsreichen Roadtrip suchen.
Wie viele Tage für den ersten Sardinien-Urlaub?
- 4–5 Tage: ein Standort und die Umgebung, zum Beispiel Cagliari, Alghero oder San Teodoro.
- 7 Tage: eine komplette Großregion wie Nordosten, Nordwesten oder Südsardinien.
- 10 Tage: zwei benachbarte Regionen oder eine gut geplante lineare Route.
- 14 Tage: zwei Großregionen in entspanntem Tempo, ohne jede Nacht die Unterkunft zu wechseln.
Die Zahl der gefahrenen Kilometer sagt wenig über die Qualität der Reise aus. Zeit für einen Sonnenuntergang, einen Spaziergang oder einen zweiten Tag am selben Ort ist oft wertvoller als drei zusätzliche Stationen auf einer Liste.
Welcher Flughafen oder Fährhafen passt?
Der Ankunftsort sollte zur gewählten Region passen. Olbia ist praktisch für Nordosten und Gallura, Alghero für den Nordwesten und Cagliari für den Süden. Porto Torres eignet sich für den Nordwesten; je nach Ausgangsort und Saison können auch Fährverbindungen zu anderen Häfen sinnvoll sein. Entscheide deshalb zuerst grob über die Route und buche Flug oder Fähre danach – nicht umgekehrt.
Braucht man ein Auto?
Für eine erste Sardinien-Reise bietet ein Auto viel Freiheit, besonders wenn du Strände, Dörfer und Naturziele besuchen möchtest. Ohne Auto ist ein Urlaub möglich, wenn du eine passende Basis wie Cagliari oder Alghero wählst. Größere Rundreisen werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch deutlich komplizierter.
Auch mit Mietwagen solltest du die tatsächlichen Fahrzeiten auf Küsten- und Inlandstraßen nicht unterschätzen. Eine kurze Strecke in Kilometern kann länger dauern als erwartet, besonders in der Hochsaison.
Wann zum ersten Mal nach Sardinien reisen?
Juni und September sind sehr ausgewogene Monate, um Meer und Besichtigungen zu verbinden. Juli und August bringen volle Sommersaison, mehr Besucher und einen höheren Bedarf an frühzeitigen Reservierungen. Mai und Oktober eignen sich hervorragend für Städte, Dörfer, Wandern und Archäologie; Strandtage sind je nach Wetter ebenfalls möglich.
Welche Region passt zu deinem Reisestil?
- Fast nur Strand beim ersten Urlaub: Nordosten oder Villasimius und der Südosten.
- Meer und Stadt: Cagliari oder Alghero.
- Dörfer und Landschaften: Nordwesten und Westküste.
- Wandern und Natur: Ogliastra und Costa di Baunei.
- Archäologie und Geschichte: Cagliari, Sinis, Barumini, Gallura und Iglesiente.
Häufige Fragen
Welche Region ist für die erste Reise am besten? Eine einzige richtige Antwort gibt es nicht. Cagliari, Alghero und Olbia/San Teodoro sind besonders unkomplizierte Ausgangspunkte, weil sich verschiedene Reiseerlebnisse kombinieren lassen.
Kann man Norden und Süden in einer Woche sehen? Technisch ja, sinnvoll ist es meistens nicht. Besser ist es, sieben Tage einer Großregion zu widmen.
Wie organisiert man die Reise am besten? Wähle zuerst die Region und dann zwei oder drei Prioritäten pro Tag. Unsere Routen für Nordost-, Nordwest- und Südsardinien dienen als Orientierung, nicht als Pflichtprogramm.



